Geschichte

Bevor wir zu den Themen Folsäure: Mangel, Bedarf und Lebensmitteln kommen, schauen wir uns erst die Geschichte an.

Die ersten Untersuchungen rund um Folsäure und Folate begannen in den 1930er Jahren. Damals wurde die Folsäure noch unter Namen wie “Antianämie-Faktor”, “Wachstumsfaktor” oder “Lactobacillus-casei-Faktor” geführt. 1941 bekam die Folsäure dann ihren heutigen Namen. Er lässt sich aus dem Lateinischen von folium = Blatt ableiten und wurde gewählt, weil die Substanz erstmals aus vier Tonnen getrockneten Spinatblättern isoliert wurde.

1946 wurde dann auch die Struktur der Folsäure aufgeklärt und in den darauffolgenden Jahren viele ihrer Funktionen im Körper untersucht. Ihre präventivmedizinische Bedeutung wurde allerdings erst in den 1990er Jahren entdeckt [1]. Das in der Nahrung vorkommende Vitamin wird korrekt als „Folat“ bezeichnet. Wird es hingegen industriell hergestellt, trägt es den Namen „Folsäure“ [2].

Physiologische Bedeutung

Folsäure ist für den menschlichen Organismus essenziell und kann von ihm selbst nicht hergestellt werden. Deshalb muss Folsäure mit der Nahrung aufgenommen werden. Das hitze- und lichtempfindliche Vitamin gehört zum B-Komplex und setzt sich chemisch aus Pteridin-Derivat, para-Aminobenzoesäure und L-Glutaminsäure zusammen. Mittlerweile ist bekannt, dass der wachstumsstimulierende und Blutarmut vorbeugende Faktor der Folsäure in der Natur nicht vorkommt. Natürliches Folat besteht aus einem Gemisch von Pteroylpolyglutamaten und Pteroylmonoglutamaten. Damit der Darm das Vitamin überhaupt erst aufnehmen kann, muss es zu Pteroylmonoglutamat abgebaut werden. Das bedeutet, dass natürliche Folsäure nur zu etwa 50 Prozent vom Körper verwertet wird. Um nochmals auf das natürliche Folat zurückzukommen: Folsäure kann vom Körper nicht direkt verwendet werden, es ist also nicht bioaktiv. Bei den natürlichen Folaten beträgt die Bioverfügbarkeit aufgrund dieses körperlichen Prozesses „nur“ rund 50 Prozent – bei den synthetischen Folsäure-Produkten liegt sie bei 90 Prozent [2].

Wirkung von Folsäure

Folsäure ist für viele lebenswichtige Funktionen im Körper unverzichtbar. Die wichtigsten sind [3][4]:

  • Zellteilung und Blutbildung: Der Körper braucht Folsäure für die Teilung von Zellen, etwa bei der Blutbildung sowie beim Wachstum. Zudem ist Folsäure wichtig für die Produktion der DNA. Für Zellen, die schnell zerfallen und sich erneuern wie Darmwand-, Lungen- und Blutzellen muss daher ausreichend Folsäure verfügbar sein.
  • Entwicklung des Nervensystems: Damit sich das Nervensystem des Embryos im Mutterleib richtig entwickelt, benötigt der Körper der Frau Folsäure. Fehlt Folsäure, können sich Teile des Nervensystems, das sogenannte Neuralrohr, nicht schließen: Ein „offener Rücken“ (Neuralrohrdefekt) ist die Folge.
  • Eiweiß- und Homocysteinstoffwechsel: Folsäure hat eine wichtige Entgiftungsfunktion. Sie wandelt zum Beispiel das zellschädigende Homocystein in die Aminosäure Methionin um. Methionin ist ein normaler Eiweißbaustein.

Lebensmittel mit reichlich Folsäure

Folsäure kommt sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Folsäure Gehalt in µg pro 100Gramm Lebensmittel [5]:

Basilikum als Folsäure Lieferant

Tagesbedarf an Folsäure

Die Tagesbedarfsempfehlungen richten sich nach Alter. Stillende benötigen meistens eine höhere Menge [6]:

* Berechnet nach der Summe folatwirksamer Verbindungen in der üblichen Nahrung (Folat-Äquivalente).

Folsäure Mangel

Oft tritt ein Folsäuremangel als Folge von erhöhtem Alkoholkonsum, Erkrankungen des Dünndarms oder Lebererkrankungen auf. Bei Frauen ist der Folsäurebedarf bei Einnahme von empfängnisverhütenden Mitteln sowie innerhalb der Schwangerschaft erhöht [7] [8].

Als typische Symptome des Folsäuremangels sind in aller Regel die Folgen von Blutarmut zu erkennen. Hier ist an erster Stelle eine auffallende Blässe zu nennen.

In schweren Fällen verursacht der Folsäuremangel Herzrhythmusstörungen und Atemnot. Beides ist darauf zurückzuführen, dass wegen des Mangels an roten Blutkörperchen nicht mehr ausreichend Sauerstoff in den Körper gelangt [9].

Überdosierung möglich?

Die beschriebenen negativen Effekte sind bei einer bewussten Überschreitung der sicheren täglichen Höchstmenge mit synthetischer Folsäure aus Nahrungsergänzungen möglich. Besprechen Sie eine mögliche Nahrungsergänzung daher immer mit Ihrem Arzt.

Bei Zufuhr extrem hoher Mengen synthetischer Folsäure um die 15 mg (entspricht 25 bis 30 mg Folat-Äquivalenten) sind Insomnie (Schlafstörungen), Erregung, Hyperaktivität, Nausea (Übelkeit), Meteorismus (Blähungen), eine gestörte Geschmacksempfindung und allergische Reaktionen wie Pruritus (Juckreiz), Erytheme (flächenhafte Hautrötung) und Urtikaria (Nesselsucht) beobachtet worden [10].

Des Weiteren werden bei Rheuma- und Krebspatienten Interaktionen (Wechselwirkungen) von Folsäure und Nahrungsfolaten und dem Arzneimitteln Methotrexat (ein Folsäureantagonist/Gegenspieler zur Folsäure) diskutiert [11].

Folsäure und Schwangerschaft

Zusätzliche Folsäurepräparate in der Schwangerschaft nötig?

Immer wieder wird Folsäure mit einer Schwangerschaft in Verbindung gebracht. Doch was ist dran?

Frauen, die schwanger werden wollen oder schwanger werden könnten, sollten sich folatreich ernähren und zusätzlich ein Folsäurepräparat einnehmen. Das empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit.

Das Vitamin ist ein entscheidender Baustein bei der Neubildung von Zellen und deshalb an vielen wesentlichen Prozessen im Körper des ungeborenen Kindes beteiligt.

Um das Risiko von Neuralrohrdefekten zu senken, empfiehlt die Stiftung Kinder­gesundheit allen Frauen mit Kinderwunsch, neben einer folatreichen Ernährung mindestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft mit der täglichen Einnahme von mindestens 400 Mikrogramm Folsäure in Form eines Präparats zu beginnen. „Die Tablette mit Folsäure ist gewissermaßen die Pille nach der Pille. Ihre Einnahme sollte während des ersten Drittels der Schwangerschaft beibehalten werden“, informiert die Stiftung. [12]

Warum Nahrung allein oft nicht ausreicht:

Welche Lebensmittel wie viel Folat enthalten, zeigt die Tabelle. Allerdings werden beim Kochen 60 bis 90 Prozent der Folate zerstört. Den Bedarf allein über die Nahrung zu decken, fällt daher auch Ernährungsbewussten häufig schwer. Um trotzdem seine Bedarfe zu decken, empfiehlt sich möglichst frühzeitig eine Anwendung von Arzneimitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln, die Folsäure oder Folat enthalten. Wer eine Schwangerschaft plant, sollte am besten vor der Empfängnis mit der ergänzenden Einnahme begonnen haben – was zugegebenermaßen in der Praxis mangels Planbarkeit nicht immer leicht zu bewerkstelligen ist.

Warum Du dich immer mit einem Arzt absprechen solltest:

Die Folatfunktion kann durch verschiedene Arzneistoffe gehemmt werden, zum Beispiel durch Methotrexat, Trimethoprim, Triamteren oder Pentamidin, aber auch durch Alkohol. Nehmen Frauen mit Kinderwunsch diese Arzneistoffe ein, sollten eine Folatgabe und die Wahl der Dosierung nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen, um die Gefahr von Wechselwirkungen mit der Dauertherapie zu vermindern [13].

Wenn Du noch mehr über Vitamine erfahren möchtest, schau im Vitamin ABC rein und erhalte alle wichtigen Informationen rund um Vitamine. Viel Spass!


Weiteres wissenswertes und Angebote:

 

 

Quellen:

[1] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2008/daz-32-2008/folsaeure-von-anfang-an-wichtig [2] https://folsaeure-info.org/ [3] Bundesinstitut für Risikobewertung: Domke A, Großklaus R, Niemann B, Przyrembel H, Richter K, Schmidt E, Weißenborn A, Wörner B, Ziegenhagen R (Hrsg.) Verwendung von Mineralstoffen in Lebensmitteln – Toxikologische und ernährungsphysiologische Aspekte, Teil 2, BfR-Hausdruckerei Dahlem, 2004 [4] https://www.naturheilzentrum-nuernberg.de/lexikon/v/vitamin-b9.html [5] https://lebensmittel-naehrstoffe.de/lebensmittel-mit-folsaeure/ [6] https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/folat/ [7] Hanns-Wolf Baenkler: Innere Medizin: 299 Synopsen, 611 Tabellen. Georg Thieme Verlag, 2001, ISBN 978-3-13-128751-9. [8] Walter G. Guder, Jürgen Nolte: Das Laborbuch für Klinik und Praxis. Elsevier, 2005, ISBN 978-3-437-23340-1. [09] https://www.meine-gesundheit.de/krankheit/krankheiten/folsaeuremangel [10] http://www.vitalstoff-lexikon.de/Vitamin-B-Komplex/Folsaeure-Folat-/Sicherheitsbewertung.html [11] Scientific Committee on Food (SCF) and Scientific Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) of EFSA, Tolerable Upper Intake Levels for Vitamins and Minerals, European Food Safety Authority 2006, ISBN: 92-9199-014-0

[12] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/101255/Stiftung-Kindergesundheit-empfiehlt-Folsaeure-schon-in-der-Vorbereitung-auf-eine-Schwangerschaft

[13] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-432011/folsaeure-ist-nicht-gleich-folat/