Wie wurde Omega-3 entdeckt?

Vor den Themen: Omega-3 Lebensmittel, Tagesbedarf und Mangel, betrachten wir vorerst die Geschichte und erste durchaus interessante Forschungen zu Omega-3.

Foto: Herbert McLean Evans Lizenz: https://wellcomecollection.org /works/kyxyvtpm?wellcomeImagesUrl= /indexplus/image/M0020233. html

In den 1920er Jahren entdecken die beiden amerikanischen Wissenschaftler Herbert McLean Evans und George O. Burr etwas zu diesem Zeitpunkt völlig Unerwartetes: Fette die vom menschlichen Körper nicht selbst hergestellt werden können. Diese ungesättigten Fette spielen bei der Funktion des Organismus eine wichtige Rolle. Gleichzeitig aber – im Unterschied zu anderen bekannten Fetten – nicht von ihm hergestellt werden können. In Experimenten an Ratten wurde beobachtet, dass denen, welche keine solchen Fettsäuren durch die Nahrung zugeführt würden, gesundheitliche Defizite aufwiesen. Damit konnte man eine erste Unterscheidung der nicht-essenziellen zu den essenziellen Fettsäuren feststellen. Fälschlicherweise wurde diese Entdeckung Vitamin F genannt. Schon bald sollte sich jedoch herausstellen, dass es sich keineswegs um ein Vitamin handelt, sondern um zwei in Funktion und Wirkung unterschiedliche Gruppen essenzieller Fettsäuren.
Ernsthafte Forschungen zu den so genannten „guten“ Fettsäuren beginnen in den 1950er Jahren in den USA. Sie beschäftigen sich zunächst mit den Ursachen der immer häufigen auftretenden Herzattacken. Man stellte fest, dass zu viele gesättigte und zu wenig ungesättigte Fettsäuren auf den Speiseplänen stehen. Die Lösung sollten verschiedene Pflanzenöle sein. Es stellte sich jedoch heraus, dass diese durch Pflanzenöle hauptsächlich die Omega-6-Familie liefern. Ein Irrtum, der eines schnell klarmacht: Beide essenzielle Fettsäuren haben eine unterschiedliche Bedeutung für den Organismus [1].

Warum ist Omega-3 wichtig für unseren Körper?

Omega-3-Fettsäuren sind lebensnotwendig (essenziell), d. h. unser Körper kann sie nicht selbst bilden und wir müssen sie regelmäßig mit Lebensmitteln zu uns nehmen. Pflanzliche Omega-3-Fettsäuren werden zur Energiegewinnung verstoffwechselt und in die Zellmembranen eingebaut. Omega-3-Fettsäuren sind nicht nur für die Entwicklung des Kindes wichtig, sondern entfalten auch im Erwachsenenalter zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen. Die aktivsten Omega-3-Fettsäuren sind EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure). Die in pflanzlichen Fetten und Ölen vorkommende ALA (alpha-Linolensäure) ist eine Art “Vorstufe”, aus der im Körper die biologisch aktiven EPA und DHA gebildet werden können. [2] Es gibt Zahlreiche positive Eigenschaften von Omega 3 Fettsäuren. Die wichtigsten haben wir einmal aufgeführt: EPA und DHA sind Teil der Zellmembran und wirken auf die die Funktionen verschiedenster Zellen. Deswegen gibt es unterschiedlichste Wirkmechanismen der Omega-3-Fettsäuren.

Wirkung von Omega 3

In Untersuchungen am Menschen wurde folgendes festgestellt:

  • Sie wirken anti-arrhythmisch (beugen Herzrhythmusstörungen vor) sowohl auf der Ebene des Vorhofes wie der Herzkammer [3]
  • Omega 3 Fettsäuren stabilisieren instabile Gefäßbezirke, die sonst Myokardinfarkte verursachen („instabile Plaques“)
  • Sie verlangsamen das Voranschreiten von Veränderungen der Koronargefäße
  • Sie senken Triglyceride [4] [5] [6]
  • Omega 3 hat eine präventive Wirkung gegen Koronare Herzkrankheiten (KHK) [7]
  • Sie fördern die Durchblutung [7]
  • Sie hemmen die Thrombozytenaggregation [7]
  • Hat zahlreiche weitere positive Wirkungen auf Gefäßfunktion, Blutdruck, Entzündungsmediatoren

Desweiteren wurde festgestellt, dass bei entzündlichen Erkrankungsbildern mit Autoimmunkomponente, wie rheumatoider Arthritis, entzündlichen Darmerkrankungen, Asthma oder primärer sklerosierender Cholangitis sprechen Wirkmechanismen, wie die Verminderung entzündungsfördernder Mediatoren, positive therapeutischen Effekte eintreffen. Erste Interventionstudien hatten positive Ergebnisse, aber eine abschließende Bewertung steht noch aus, da noch weitere Interventionsstudien erhoben werden müssen [8] Im Bereich der Neurologie und Psychiatrie wurden ebenfalls interessante Erkenntnisse gewonnen: (Unipolare) Depressionen und bipolare Störungen treten häufiger bei Personen mit geringer Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren und/oder niedrigen Spiegeln von Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure auf [9].

Welche Lebensmittel enthalten viel Omega-3?

Der menschliche Körper eines Erwachsenen wandelt Omega-3-Fettsäuren pflanzlicher Herkunft zu einem geringen Teil in Eicosapentaensäure (EPA), Docosapentaensäure und Docosahexaensäure (DHA) um. Die höheren Umwandlungsraten waren in dieser Studie jedoch abhängig von einer hohen Zufuhr von gesättigten Fettsäuren über die Nahrung. Wurden dagegen hohe Mengen von Omega-6-Fettsäuren zugeführt, sanken die Umwandlungsraten um 40–50 %. Ein Omega-6-zu-Omega-3-Fettsäuren-Verhältnis von nicht mehr als 4:1 bis 6:1 wurde demnach als günstig angesehen.

In der Nahrung kommt Omega 3 vor allem in Pflanzlichen Ölen, Gemüse und Fisch vor [16]:

Pflanzliche Öle weisen einen hohen Anteil an Omega 3 Fettsäuren auf

Lebensmittel

  • Lebensmittel
  • Leinöl
  • Walnussöl
  • Rapsöl
  • Hering
  • Lachs
  • Makrele
  • Sesam
  • Erdnüsse
  • Grünkohl
  • Gaudakäse
  • Rosenkohl
  • Seeteufel

Gehalt pro 100

  • Gehalt in μg/ 100 g
  • 54,2
  • 12,9
  • 9,2
  • 2,3
  • 1,2
  • 1,0
  • 0,7
  • 0,5
  • 0,4
  • 0,3
  • 0,2
  • 0,03
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Wie viel Omega-3 sollte man einnehmen?

Viele US-amerikanische Gesundheit und Regierungsorganisationen empfehlen die regelmäßige Einnahme der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Für den täglichen Bedarf wurden typischerweise zwischen 100 mg und 600 mg genannt. [11] Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) veröffentlichte im März 2010 ebenfalls ernährungsbezogene Empfehlungen: Empfohlen wird die tägliche Aufnahme von 250 mg EPA und/oder DHA. [12] Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt die gleiche Menge.[13]

Was passiert beim Omega-3 Mangel?

Im Laufe der Zeit können sich Symptome entwickeln, wenn es dem Körper an essentiellen, gesunden Fetten fehlt oder zu viele Omega-6-Fettsäuren im Vergleich zu Omega-3-Fettsäuren aufgenommen werden. Folgende Symptome können sich einstellen [14]:

  • Entzündung (manchmal schwer), die mit Schmerzen, Steifheit und schlechter Heilung verbunden ist
  • Möglicherweise ein höheres Risiko für Herzkrankheiten und einen hohen Cholesterinspiegel
  • Verdauungsstörungen
  • Allergien
  • Arthritis
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Psychische Gesundheitsprobleme wie Depressionen
  • Schlechte Gehirnentwicklung bei Säuglingen und Kleinkindern
  • Aufmerksamkeitsdefizitprobleme, einschließlich ADHS bei Kindern
  • Neurodegenerative und neurologische Störungen, einschließlich kognitiver Abnahme bei älteren Erwachsenen, Demenz und Gedächtnisverlust

Ist eine Überdosierung möglich?

Studien hierzu gibt es leider kaum. Wie sich eine langjährige Einnahme von hochdosierten Omega-3-Fettsäure-Präparaten auf die Gesundheit auswirkt, ist bisher nur wenig erforscht. Bekannt ist bisher, dass eine längere Einnahme von sehr hohen Dosen (mehr als 3 Gramm pro Tag) zu folgenden gesundheitlichen Problemen führen kann [15]:

  • Blutgerinnungsstörungen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Erhöhtem Cholesterinspiegel
  • Schwächung des Immunsystems

Fischöl oder Pflanzenöl?

Algen produzieren aus eigener Kraft heraus große Mengen Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA

Patientinnen und Patienten mit Rheuma wird häufig zu einer Diät geraten, die reich an Omega-3-Fettsäuren ist. Das heißt dann in der Praxis: Viel Fisch beziehungsweise Fischöl. Eine gleichwertige Alternative ist ein Öl aus der Mikroalge Schizochytrium [17]

Aber was ist besser – Algenöl oder Fischöl? EPA und DHA ist in beiden Ölen reichlich vorhanden. Im Hinblick auf Produktion, Nachhaltigkeit und Anwendung hat Algenöl einige Vorteile. Veganer und Vegetarier tun sich schwer mit Fischöl. Wer keine Tiere isst, verzichtet gern auf Nahrungsergänzungsmittel aus tierischen Quellen. Nach Schätzungen sind viele Fischarten zurückgegangen. Auch umstrittene Fangtechniken, bedrohen das Wohlergehen der Fische und Pflanzenarten.

Der große Vorteil der Algen: Die verwendeten Algen werden meist unter kontrolliert biologischen Bedingungen gezüchtet und ressourcenschonend verarbeitet.

Wenn Du noch mehr über Fettsäuren erfahren möchtest, schau im “Gute Fette” rein und erhalte alle wichtigen Informationen rund um gesunde Fettsäuren. Viel Spass!


Weiteres wissenswertes und Angebote:

Quellen:

[1] https://www.nu3.de/c/omega-3/

[2] https://www.ak-omega-3.de/omega-3-fettsaeuren/wofuer-sind-omega-3-fettsaeuren-gut

[3] . Buchhorn, C. Baumann, C. Willaschek: Alleviation of arrhythmia burden in children with frequent idiopathic premature ventricular contractions by omega-3-fatty acid supplementation. In: International Journal of Cardiology. Band 291, 15. September 2019

[4] B. London, C. Albert, M. E. Anderson u. a.: Omega-3 Fatty acids and cardiac arrhythmias: prior studies and recommendations for future research: a report from the National Heart, Lung, and Blood Institute and Office Of Dietary Supplements Omega-3 Fatty Acids and Their Role In Cardiac. Arrhythmogenesis Workshop. In: Circulation. 116, 2007

[5] C. von Schacky: n-3 PUFA in CVD: influence of cytokine polymorphism. In: Proc Nutr Soc. 66, 2007, S. 166–170.

[6] C. von Schacky: Omega-3’s and cardiovascular disease: an update for 2007. In: Curr Op Nutr Metab Care. 10, S. 129–135.

[7] Omega-3-Fettsäuren: Schutz vor Schlaganfall und Infarkt. In: Pharmazeutische Zeitung. 4/2004.

[8] P. C. Calder: n-3 polyunsaturated fatty acids, inflammation, and inflammatory diseases. In: Am J Clin Nutr. 83(6 Suppl), Jun 2006, S. 1505-1519

[9] M. P. Freeman, J. R. Hibbeln, K. L. Wisner u. a.: Omega-3 fatty acids: evidence basis for treatment and future research in psychiatry. In: J Clin Psychiatry. 2006, S. 1954–1967.

[10] Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft: Fettsäurezusammensetzung wichtiger pflanzlicher und tierischer Speisefette und –öle

[11] W. S. Harris: International recommendations for consumption of long-chain omega-3 fatty acids. In: J Cardiovasc Med (Hagerstown). Suppl 1, 2007, S. S50–S52.

[12] Scientific Opinion on Dietary Reference Values for fats, including saturated fatty acids, polyunsaturated fatty acids, monounsaturated fatty acids, trans fatty acids, and cholesterol. In: EFSA Journal. 8(3), 25. März 2010, S. 1461.

[13] D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. DGEinfo 02/2009, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 25. März 2009.

[14] https://www.universitatsmedizin-goettingen.de/omega-3-mangel-symptome/

[15] https://www.onmeda.de/naehrstoffe/omega-3-fettsaeuren-ueberdosierung-10303-5.html

[16] http://www.vitalstoff-lexikon.de/Fettsaeuren/Omega-3-Fettsaeuren/Lebensmittel.html

[17] https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/mit-algenol-gegen-rheumatische-symptome-8053.php

 

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