Geschichte

Foto: George Hoyt Whipple Lizenz:The Nobel Foundation / Public domain Source: http://www.nobelprize.org/ nobel_prizes/medicine/ laureates/1934/

Bevor wir zu den Themen Vitamin-B12: Mangel, Bedarf und Lebensmitteln kommen, schauen wir uns erst die Geschichte an.

Anfang der 1920er Jahre entdeckte der US-amerikanische Pathologe George Hoyt Whipple, dass Hunde, die an Blutarmut litten, durch Fütterung mit roher Leber von dieser sonst tödlich verlaufenden Krankheit geheilt werden konnten. 1926 führte die Suche nach der essenziellen Komponente dieser Heilmethode schließlich zur Beschreibung eines auch beim Menschen wirksamen Antiperniziosa-Faktors. Die beiden US-amerikanischen Ärzte George R. Minot und William P. Murphy erhielten zusammen mit Whipple 1934 den Nobelpreis für Medizin dafür [1].

Die Isolierung von Vitamins B12 (Cyanocobalamin), gelang in kristalliner Form erst 1948. Dies geschah unabhängig voneinander. Zum einen von einem Team amerikanischer Biochemiker um Karl A. Folkers, zum anderen einem britischen Forscherteam um den Chemiker E. Lester Smith [2, 3].

1955 schließlich konnte die britische Biochemikerin Dorothy C. Hodgkin mit Hilfe der Röntgenbeugung an Vitamin-B12-Einkristallen auch deren Molekülstruktur aufklären.  Auch sie erhielt u.a. a.1964 dem Nobelpreis für Chemie [4].

Die darauf aufbauende Totalsynthese des Vitamins B12 gelang 1972 Albert Eschenmoser und Robert B. Woodward und noch heute gilt Vitamin B12 damit als eines der größten jemals in einem Labor totalsynthetisierten Moleküle [5].

Physiologische Bedeutung

Vitamin 12 (=Cobalamin) stellt das chemisch komplizierteste Vitamin dar. Cobalamine sind chemische Verbindungen, die in allen Lebewesen vorkommen und auch als Vitamin-B12-Gruppe bezeichnet werden. Die Medizin verwendet die biologisch inaktiven Formen Cyanocobalamin und Hydroxocobalamin zur Vitamin-B12-Supplementierung und für andere therapeutische Zwecke. Im menschlichen Organismus werden diese Vorstufen in Adenosylcobalamin und Methylcobalamin umgewandelt. Beide sind als Coenzyme biologisch aktiv.

Die Vitamin B12-Resorption beträgt nur maximal 1,5-2,0 µg pro Mahlzeit, da das Aufnahmevermögen der Schleimhaut des unteren Dünndarms begrenz ist. Der Hauptspeicher für Vitamin B12 ist die Leber, in der etwa 60% vorkommen. Zu etwa 30% ist das B-Vitamin in der Skelettmuskulatur gespeichert. Der Rest entfällt auf die übrigen Gewebe wie Herz und Gehirn. Der Gesamtkörperbestand beträgt 2-5 mg [13]. Aufgrund des Leber-Darm-Kreislaufs werden die täglich 3-8 µg mit der Gallenflüssigkeit ausgeschiedenen Vitamin B12 im unteren Dünndarmabschnitt rückresorbiert. Der Rest wird bei einer durchschnittlichen täglichen Zufuhr von 3-8 µg Vitamin B12 bei 0,143 % pro Tag über die Niere ausgeschieden [14].

Welche Wirkung hat Vitamin B12?

Im menschlichen Körper übernimmt das Vitamin folgende Funktionen [15]:

  • Durch die Synthese von DNA ergibt sich ein Einfluss auf Zellteilung und Blutbildung
  • Beteiligung am Energiestoffwechsel  
  • Den Aufbau und Erhalt der Zellmembranen und den Aufbau und Erhalt der Myelinscheiden, einem Schutz der Nerven im Zentralnervensystem und Gehirn
  • Die Synthese von Hormonen und Neurotransmittern. B12 ist nötig zur Produktion wichtiger Botenstoffe und beeinflusst so Stimmung, Psyche und Wahrnehmung
  • Entgiftung Vitamin B12 neutralisert Homocystein und Cyanid sowie Radikale wie Stickstoffmonoxid und Peroxynitrit. B12 ist ein wichtiger Gegenspieler des Nitrosativen Stress

Vitamin B12-reiche-Lebensmittel

Tiere und Menschen sind nicht in der Lage, das Vitamin selbst herzustellen. Es wird in der Natur von Mikroorganismen – insbesondere Bakterien – produziert, die als Symbionten sowohl im Verdauungstrakt von Tieren als auch auf der Oberfläche pflanzlicher Wirte (z. B. Leguminosen) vorkommen [6].

Vitamin B12 ist in fast allen Nahrungsmitteln tierischer Herkunft (auch Eiern und Milchprodukten) zumindest in geringen Mengen enthalten. Im Vergleich zu Kuhmilch (0,4 µg/100 g) enthält Muttermilch nur durchschnittlich 0,05 µg/100 g [8]. Andere Quellen sind Vitaminsupplementierte Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel [9]. 

Aufgrund der Komplexität der Cobalamine ist die chemische Synthese von Vitamin B12 sehr aufwendig. Daher wird B12 als Nahrungsergänzungsmittel sowohl für den menschlichen Verzehr als auch zum Einsatz in Tiernahrung (Geflügel und Schweine) stattdessen meist mittels gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt. Da lediglich das gereinigte Endprodukt auf den Markt kommt, besteht hierfür keine Kennzeichnungspflicht.

B12 Gehalt in µg pro 100Gramm Lebensmittel [12]:

Chlorella Algen können eine Lebensmittelalternative zu Fleisch und Milchprodukten sein

Tagesbedarf für Vitamin B12

Der tägliche Bedarf kann derzeit nur geschätzt werden [7]:

Symptome bei B12 Mangel

Die ersten Anzeichen von Vitamin-B12-Unterversorgung bei erwachsenen Personen können Kribbeln und Kältegefühl in Händen und Füßen, Erschöpfung und Schwächegefühl, Konzentrationsstörungen und sogar Psychosen sein.

Mangel Ursachen

Vitamin B12 befindet sich vorwiegend in tierischen Lebensmitteln. Daher ist es für Vegetarier schwierig und für Veganer extrem unwahrscheinlich, dass der Vitamin-B12-Tagesbedarf über die Nahrung gedeckt wird. Besonders für Veganer ist die Einnahme von Vitamin-B12-Pärparaten oder angereicherten Lebensmitteln deshalb dringend angeraten.

Während das Vitamin in der Regel über die Ernährung aufgenommen wird, kann die Aufnahme von Vitamin B12 jedoch durch Erkrankungen gestört sein.

Risikogruppen für einen Vitamin-B12-Mangel sind [16]:

  • Patienten mit ungeklärter Anämie
  • Patienten mit ungeklärten neuropsychiatrischen Symptomen
  • Patienten mit gastrointestinalen Manifestationen einschließlich Stomatitis, Anorexie und Diarrh
  • ältere Personen
  • Vegetarier/Veganer
  • Personen mit gastrointestinalen Erkrankungen, wie Magenresektion Morbus Crohn oder Helicobacter-pylori-Infektion

Überdosierung möglich?

Entwarnung. Bei oraler Einnahme – über den Mund, verarbeitet der Körper nur so viel, wie er benötigt. Eine Überdosierung ist in der Regel nur dann möglich, wenn Vitamin B12 hochkonzentriert mittels Spritze injiziert wird. Im schlimmsten Fall werden meist lokale allergische Beschwerden, sowie eine Form der Akne festgestellt [10, 11].

Vitamin B12 Tabletten notwendig?

Trotz gesunder Ernährung erschöpft und antriebslos? Wenn Du dich trotz gesunder Ernährung erschöpft und antriebslos fühlt, solltest du einen Arzt oder Heilpraktiker aufsuchen. Einfach ein paar Tabletten einwerfen macht keinen Sinn. Stellt dieser zum Beispiel einen Vitamin b12 Mangel fest, muss die Ursache gefunden werden. Die Ernährungsform oder Krankheiten können die Gründe sein.

Nahrungsergänzungsmittel könnten eine unausgewogene Ernährung aber nicht vollständig ausgleichen. Nur in einzelnen Fällen, in der Schwangerschaft, im Alter und bei chronischen Krankheiten, zum Beispiel Morbus Crohn oder schweren Entzündungen, kann es zu einem Nährstoffmangel kommen, der mit Ergänzungsmitteln (Supplements) ausgeglichen werden kann.

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Weiteres wissenswertes und Angebote:

 

Quellen: 

[1] G. R. Minot, W. P. Murphy: Treatment of pernicious anemia by a special diet. In: The Yale Journal of Biology and Medicine. Band 74, Nr. 5, 1926, S. 341–353

[2] E. L. Rickes, N. G. Brink, F. R. Koniuszy, T. R. Wood, K. Folkers: Crystalline Vitamin B12. In: Science. Band 107, Nr. 2781, 16. April 1948, S. 396

[3] E. Lester Smith: Purification of Anti-pernicious Anæmia Factors from Liver. In: Nature. Band 161, Nr. 4095, April 1948, S. 638

[4] https://www.nobelprize.org/chemistry/laureates/1964/hodgkin-lecture.pdf

[5] Walter Schilling (1974) Totalsynthese von Vitamin B-12: Darstellung von Zwischenprodukten und partialsynthetische Endstufen, Doktorarbeit (aus dem Labor von Eschenmoser / ETH)

[6] Gerhard Habermehl, Peter E. Hammann, Hans C. Krebs: Naturstoffchemie. Eine Einführung. 2. Auflage. Springer, Berlin 2002, ISBN 3-540-43952-8

[7] Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr von Vitamin B12. Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

[8] Eintrag zu Humanmilch. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 1. Mai 2013.

[9] Lindsay H. Allen: Causes of vitamin B 12 and folate deficiency. In: Food and Nutrition Bulletin. vol. 29, no. 2 (supplement), The United Nations University, 2008, S. S21.

[10] F. v. d. Berg, L. Gifford, J. Cabri, L. Arendt-Nielsen, E. Bader: Angewandte Physiologie: Organsysteme verstehen und beeinflussen. 2. Auflage. Thieme, 2005, ISBN 3-13-117082-4, S. 236.

[11] O. Braun-Falco, H. Lincke: The problem of vitamin B6/B12 acne. A contribution on acne medicamentosa. In: Münchener medizinische Wochenschrift. Band 118, 1976, S. 155–160.

[12] http://www.vitalstoff-lexikon.de/Vitamin-B-Komplex/Cobalamin-Vitamin-B12-/Lebensmittel.html

[13] http://www.vitalstoff-lexikon.de/index.php?PHPSESSID=n0r2t1131dtb5tqrh62peqvia3&subcatid=445&mode=listarticles&activeMenuNr=3&maincategory=169&maincatid=169&tableExt=-1&menuSet=1&

[14] Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 5. Auflage.

[15] https://www.vitaminb12.de/wirkung/

 

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