Geschichte

Vitamin B6 ist die Bezeichnung für drei ähnliche chemische Verbindungen, die alle Vorstufen des Vitamins Pyridoxalphosphat sind. Es handelt sich um Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin. Über Pyridoxin ist bekannt, dass es durch Fütterversuche an Ratten 1934 durch Paul György entdeckt wurde. 1938 wurde die Verbindung erstmals kristallin umgesetzt.

Physiologische Bedeutung

Die Vitamin-B6-Derivate Pyridoxol (PN), dem Aldehyd Pyridoxal (PL) sowie dem Amid Pyridoxamin (PM), wirken als Coenzyme in etwa 100 enzymatischen Reaktionen, fast ausschließlich im Aminosäurestoffwechsel. Diese meint Gesamtheit alle biochemischen Prozesse, die in einem Lebewesen zum Aufbau oder Abbau von Aminosäuren, also den Bausteinen von Proteinen (Eiweiß), führen. Der Bestand an Vitamin B6 im Körper beträgt rund 100 mg bei einer Zufuhr über die Nahrung. Es befindet sich überwiegend in der Muskulatur; 0,1% befinden sich im Blut. Die Ausscheidung erfolgt über den Harn [8]. Über die Nahrung aufgenommenes, wird im gesamten Dünndarm, vor allem im Jejunum – Leerdarm – resorbiert. Das in Pflanzen vorkommende Vitamin ist relativ hitzestabil, wodurch nur geringe Verluste – bis 20 % – bei der Verarbeitung pflanzlicher Kost auftreten. So betragen die Koch- und Auslaugverluste bei beispielsweise Fleisch etwa 30 bis 45 % [9].

Wirkung von Vitamin B6

Im menschlichen Körper übernimmt das Vitamin B6 folgende Funktionen [6]:

  • Es ist am Umbau von Aminosäuren beteiligt und bewirkt die Produktion sogenannter Neurotransmitter (Botenstoffe) wie Dopamin, Serotonin oder die γ-Aminobuttersäure. 
  • Darüber hinaus ist das Vitamin bei der Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin beteiligt. Darüber hinaus transportiert Hämoglobin auch Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid im Blut.
  • Neuere Studienergebnisse zeigen, dass das Vitamin längst nicht nur eine Coenzym-Funktion ausübt. Vielmehr wird vermutet, dass es direkt auf den Rezeptor, also die Bindungsstelle, von Steroidhormonen einwirkt. Zu den Steroidhormonen gehören Sexualhormone wie Östrogen, Progesteron und Testosteron aber auch Glukokortikoide wie das Stresshormon Cortisol. Dadurch kann das Vitamin die Wirkeigenschaften der Hormone deutlich beeinflussen.

Vitamin B6-reiche Lebensmittel

B6 kommt in geringen Dosen in so gut wie allen Lebensmitteln vor. Als Tierische Quelle eignet sich Fisch. Gute pflanzliche Quellen sind Sojabohnen, Linsen, Nüsse, Kartoffeln, Möhren, Brokkoli, Paprika und Rosenkohl [1].

Vitamin B6 Gehalt in mg pro 100Gramm Lebensmittel [7]:

Rosenkohl als natürlicher Vitamin B6 Lieferant

Tagesbedarf an Vitamin B6

Die Tagesbedarfsempfehlungen richten sich nach Alter und Geschlecht, Schwangere und Stillende benötigen meistens eine höhere Menge [2]:

Vitamin B6 Mangel

Da das Vitamin in fast allen Nahrungsmitteln vorkommt, treten Mangelerscheinungen äußerst selten auf. Folgende Anzeichen können jedoch auf einen Mangel hinweisen [3]:

Stimmungsschwankungen wie Reizbarkeit, Angstzustände und Depressionen

  • Verwechslung
  • Muskelschmerzen
  • Niedrige Energie oder Müdigkeit
  • Verschlechterung der PMS-Symptome
  • Verschlechterung der Symptome der Anämie

Wie entstehen chronische Vitamin B6 Mängel?

Personen mit Darmerkrankungen: Darmzellen können bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Cron geschädigt werden. Somit kann Vitamin B6 nicht mehr richtig aufgenommen werden.

Personen mit Nierenerkrankungen: Bei Personen mit schwachen Nieren werden häufig zu niedrige Vitamin-B6-Werte im Blut beobachtet.

Alkoholiker: Zum einen verhindert Alkohol die Aufnahme von Vitamin B6 im Darm, zum anderen ernähren sich Alkoholiker meist sehr einseitig und haben ohnehin ein erhöhtes Mangelrisiko. Auch ist bei starkem Alkoholverzehr die Leber geschädigt: In der Leber wird Vitamin B6 aktiviert [10].

Überdosierung möglich?

Eine Überdosierung tritt erst durch eine tägliche Zufuhr von mehr als 50 mg [4] auf. Diese Dosen können durch natürliche Nahrungsmittelquellen nicht erreicht werden, sondern nur durch Nahrungsergänzungsmittel. Sie führte bei einer geringen Anzahl von Fällen zu Neurotoxizität und Photosensitivität. Die Neurotoxizität hat eine periphere, sensorische Neuropathie mit ataktischen Gangstörungen, Reflexausfällen und Störungen des Tast-, Vibrations- und Temperaturempfindens zur Folge. Auch das Auftreten einer Dermatitis, wie die Acne medicamentosa, ist beschrieben [5]. Bei Säuglingen führt ein Gramm Pyridoxin pro Tag zu Tachykardie, peripheren Durchblutungsstörungen und Areflexie. Diese Beschwerden verschwinden nach Absetzen des Pyridoxins weitgehend, können bei besonders hohen Dosen jedoch auch chronisch sein. Als sichere Dosierung für den Menschen gelten maximal 10 mg täglich [4].

Vitamin B6 Tabletten: Sinn oder Unsinn?

Nahrungsergänzung, ja oder nein?

Trotz gesunder Ernährung erschöpft und antriebslos? Gerade die B-Vitamine sind bei Mangelzuständen oft für chronische Müdigkeit oder Erschöpfung verantwortlich. Wenn Du dich trotz gesunder Ernährung erschöpft und antriebslos fühlt, solltest du einen Arzt oder Heilpraktiker aufsuchen. Einfach ein paar Tabletten einwerfen macht wenig Sinn. Stellt dieser zum Beispiel einen Vitamin b6 Mangel fest, muss die Ursache gefunden werden. Die Ernährungsform oder Krankheiten können die Gründe sein.

Nahrungsergänzungsmittel könnten eine unausgewogene Ernährung aber nicht vollständig ausgleichen. Nur in einzelnen Fällen, in der Schwangerschaft, im Alter und bei chronischen Krankheiten, zum Beispiel Morbus Crohn oder schweren Entzündungen, kann es zu einem Nährstoffmangel kommen, der mit Ergänzungsmitteln (Supplements) ausgeglichen werden kann.

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Weiteres wissenswertes und Angebote:

 

Quellen:

[1] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE); Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE); Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung (SGE) (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Frankfurt/Main 1. Auflage, 113 – 116, (2000).

[2] https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-b6/

[3] https://www.universitatsmedizin-goettingen.de/vitamin-b6-vorteile-mangel-und-nahrungsquellen/

[4] COMMITTEE ON TOXICITY OF CHEMICALS IN FOOD, CONSUMER PRODUCTS AND THE ENVIRONMENT: STATEMENT ON VITAMIN B6 (PYRIDOXINE) TOXICITY. Hrsg.: Department of Health. Juni 1997

[5] O. Braun-Falco, H. Lincke: The problem of vitamin B6/B12 acne. A contribution on acne medicamentosa. In: Münchener medizinische Wochenschrift. Bd. 118, S. 155–160, 1976, PMID 130553.

[6] https://www.vitaminexpress.org/de/vitamin-b6#reference-B277

[7] http://www.vitalstoff-lexikon.de/Vitamin-B-Komplex/Pyridoxin-Vitamin-B6-/Lebensmittel.html

[8] https://fet-ev.eu/vitamin-b6/

[9] Bognár A: Vitaminverluste bei der Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln. Ernährung/Nutrition 19: 411-416, 478-483, 551-554; 1995

[10] https://www.vitamindoctor.com/naehrstoffe/vitamine/vitamin-b6/

 

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