Geschichte

Foto: Hendrik Dam Quelle: https://www.nobelprize. org/prizes/medicine/ 1943/summary/

Bevor wir zu den Themen Vitamin-K2 Lebensmittel, Mangel und Überdosierung kommen, schauen wir uns erst die durchaus interessante Geschichte an.

Der dänischen Forscher Caeter Henrik Dam machte Vitamin K bekannt, nachdem ihm 1929 bei Untersuchungen von Küken aufgefallen war, dass es bei diesen durch eine cholesterinfreie Diät nach zwei bis drei Wochen zu Blutungen unter der Haut sowie in Muskeln und weiteren Organen kam.

So richtig los ging es 1934 als zwei US-amerikanische Forscher (Holst und Halbrook) an der University of California herausfanden, dass die Blutungsneigung bei Küken durch Verfüttern von frischem Kohl verhindert werden konnte, führten dies aber fälschlicherweise auf einen Mangel an Vitamin C zurück.

Nachdem zunächst fälschlicherweise Vitamin C für die Wirkung vermutet wurde, konnte nach einer Verfütterung von Weizenkeimöl, welches keinen Schutz bot, andererseits die Verabreichung von Getreidekörnern und Samen die Gerinnungsstörung verhindern. Nun fühlten sich die Forscher 1934 berechtigt, den Mangel einer bestimmten, wenn auch noch unbekannten Substanz in der Nahrung für die beobachteten Probleme verantwortlich zu machen. Weitere Fütterungen folgten und 1935 wurde diese Substanzgruppe schließlich als ein essenzielles Vitamin mit lipophilen Eigenschaften erkannt. Der Buchstabe K wurde gewählt, da das Fehlen dieser Substanz eine ausreichende “Ko”-agulationfähigkeit (Gerinnung) des Blutes verhindert. [2]

Physiologische Bedeutung

K-Vitamine gehören zu den fettlöslichen Vitaminen. Sie sind ein Kofaktor in Reaktionen der γ-Glutamylcarboxylase. Durch Vitamin K werden mehrere Gerinnungsfaktoren in einen aktivierbaren Zustand versetzt und gerinnungshemmende Faktoren aktiviert und reguliert.

Somit spielen K-Vitamine für die Aktivierung von Knochenprotein, Calbindin und der Liganden für einige Rezeptor-Tyrosinkinasen, wie zum Beispiel das Growth-arrest-specific gene-6 eine wichtige Rolle für das Zellwachstum.

Wirkung von Vitamin K

Das K-Vitamin hat im Wesentlichen 3 Hauptfunktionen beim Menschen:

  • Blutgerinnung

Vitamin K ist daran beteiligt, die Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X (Eiweiße (Proteine)) in ihre gerinnungswirksamen Formen zu überführen. Die gerinnungshemmenden Proteine Protein C und Protein S, werden ebenfalls als Vorstufen in der Leber synthetisiert und ebenfalls unter Mitwirkung von Vitamin K carboxyliert. Damit hat Vitamin K eine wesentliche Funktion in der Regulierung der Blutgerinnung. [3]

  • Knochenstoffwechsel

Eine Studie (1999) mit über 72.000 Probanden hat gezeigt, dass Vitamin K1 einen wesentlichen Einfluss auf das Osteoporoserisiko hat. Die Studie belegt, dass Frauen, die relativ viel Vitamin K1 zu sich nahmen, deutlich weniger Knochenbrüche (verursacht durch Osteoporose) bekamen. Das Risiko war um ca. 30 % reduziert – im Vergleich zu der Gruppe mit den geringsten Vitamin K1-Werten. Interessanterweise zeigte sich, dass Probanden mit hohen Vitamin-D-Werten sogar ein erhöhtes Osteoporoserisiko aufwiesen, wenn sie einen Vitamin-K-Mangel aufwiesen. Aufgrund dieser und anderer Studien hat zwar die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ein positives Gutachten erstellt – hier wird die positive Wirkung von Vitamin K hinsichtlich des Erhalts der Gesundheit von Knochen bestätigt. [4]

  • Zellwachstumsregulierung

Es existiert eine Reihe von Vitamin-K-abhängigen Rezeptor-Ligand-Systemen, die am Zellmetabolismus, dem Zellüberleben, ihren Transformationen und ihren Replikationen beteiligt sind. Hierzu gehören das Gas6, ein Vitamin-K-abhängiges Protein, welches als Ligand an verschiedene Rezeptor-Tyrosinkinasen bindet und diese aktiviert. [5]

  • Gefäßverkalkung
Mehr Leistung durch ein gesundes Herz Kreislaufsystem

Vitamin K2 ist wichtig für ein gesundes Herz-Kreislauf-System: Die Rotterdam-Herz-Studie zeigte, dass Menschen, die sich über einen zehnjährigen Beobachtungszeitraum von Nahrungsmitteln mit hohem Anteil an natürlichem Vitamin K2 (mindestens 32 µg täglich) ernährten, deutlich weniger Calciumablagerungen in den Arterien und eine weit bessere Herz-Kreislauf-Gesundheit aufwiesen als andere. Das Ergebnis der Studie ist, dass Vitamin K2 das Risiko, eine Gefäßverkalkung zu entwickeln oder an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um 50 % reduziert [1]

Vitamin K-reiche Lebensmittel

Vitamin K ist u. a. in grünem Blattgemüse (Grünkohl, Blattsalat), Kohl, Linsen, Mais enthalten. Außerdem ist es in manchen tierischen Produkten wie Vollmilch beziehungsweise fetten Milchprodukten, Eigelb und Fleisch (Innereien, Muskelfleisch) zu finden: [7]

Brunnenkresse als natürliche Vitamin K Quelle

Tagesbedarf an Vitamin K

Die Tagesbedarfsempfehlungen richten sich nach Alter und Geschlecht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Aufnahme von 4–10 µg für Säuglinge, 15–50 µg – mit dem Alter aufsteigend – für Kinder bis 14 Jahre, 60–65 µg für Frauen und 70–80 µg für Männer. [6]

Vitamin K Mangel

Insgesamt sind bei normaler Ernährung ernstere Hypovitaminosen selten (wenn man den Bedarf nicht nach den Erfordernissen einer Osteoporoseprophylaxe etc. bemisst, die wesentlich höheren Dosen erfordert). Es gibt jedoch Situationen, in denen sie sehr wohl auftreten können:

  • Medikamentöse Antikoagulation (Menschen die sich in Medikamentöser Behandlung finden) [8]
  • Fehlernährung (Vitamin-K-arme Ernährung)
  • Fettresorptionsstörung (verminderte Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen) [9]

Überdosierung möglich?

Vitamin K1 und Vitamin K2 sind auch in hohen Dosen nicht toxisch. Es gibt keine Vitamin-K-Hypervitaminose, wenn man von der Substitutionsbehandlung beim Neugeborenen absieht: Hier kann Vitamin K in hohen Dosen eine Hämolyse auslösen. [10]

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Weiteres wissenswertes und Angebote:

 

Quellen:

[1] Geleijnse u. a.: Dietary intake of menaquinone is associated with a reduced risk of coronary heart disease: the Rotterdam Study In: J Nutr. (2004) Nov;134(11), S. 3100–3105, PMID 15514282

[2] Vorlesung von Henrik Dam zur Nobelpreisverleihung am 12. Dezember 1945 (engl.)

[3] H.K. Biesalsky (Hrsg.): Ernährungsmedizin. 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-13-100292-1.

[4] D. Feskanich, P. Weber, W. C. Willett, H. Rockett, S. L. Booth, G. A. Colditz: Vitamin K intake and hip fractures in women: a prospective study. In: The American journal of clinical nutrition. Band 69, Nummer 1, Januar 1999, S. 74–79, PMID 9925126.

[5] D. W. Lamson, S. M. Plaza: The anticancer effects of vitamin K. In: Alternative medicine review: a journal of clinical therapeutic. Band 8, Nummer 3, August 2003, S. 303–318, PMID 12946240

[6] Vitamin K: Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, abgerufen am 2. Februar 2017.

[7] https://www.herzstiftung.de/pdf/Vitamin-K-in-Gemuese.pdf

[8] Bruce Furie: Do Pharmacogenetics Have a Role in the Dosing of Vitamin K Antagonists?. In: New England Journal of Medicine. 369, 2013, S. 2345–2346, doi:10.1056/NEJMe1313682

[9] Silke Klapdor, Eva Richter, Rainer Klapdor: Fettlösliche Vitamine bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. In: Ernährungs-Umschau, Ausgabe 08/12, Seite 436–441.

[10] H.K. Biesalsky (Hrsg.): Ernährungsmedizin. 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-13-100292-1.

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