Geschichte

Selen kommt auf der Erde relativ selten vor. Von Berzelius im Jahre 1817 entdeckt, wurde Selen noch in den 30er-Jahren für krebsauslösend gehalten. Zuerst hielt Berzelius die Substanz für Tellur (von lateinisch tellus ‚Erde‘), zu dem Selen einige Ähnlichkeiten aufweist; so entwickelt sich bei der Verbrennung beider Elemente ein ausgeprägter Geruch nach Rettich. 1818 schloss Berzelius im Rahmen seiner Experimente aber, dass es sich um ein neues Element handelte; um auf die Ähnlichkeit zum Tellur (Erde) hinzuweisen nannte er es Selen (Mond) [1]. Seit 1957 ist bekannt, dass es ein essenzielles Spurenelement ist. Selen kann sich mit Proteinen verbinden. 1973 wurde das erste Selenoprotein in Säugern identifiziert. [2]

Physiologische Bedeutung

Selen ist ein lebensnotwendiges Spurenelement. Im pflanzlichen beziehungsweise tierischen Organismus wird Selen in die Aminosäure Methionin (Met) beziehungsweise Cystein (Cys) eingebaut. [3] [4] [5]. Aus diesem Grund findet sich Selen in der Nahrung vorzugsweise in organischer Form als selenhaltige Aminosäuren – in pflanzlichen Nahrungsmitteln und selenreichen Hefen als Selenomethionin (SeMet) und in tierischen Lebensmitteln als Selenocystein (SeCys). Beim Menschen werden SeMet und SeCys im Organismus für die Proteinbiosynthese verwendet [6].

Der Gesamtkörperbestand eines Erwachsenen an Selen beträgt etwa 10-15 mg (0,15-0,2 mg/kg Körpergewicht) [7] [8] [9]. Selen befindet sich in allen Geweben und Organen, wobei die Verteilung ungleichmäßig ist. Die höchsten Konzentrationen weisen Leber, Nieren, Herz, Pankreas (Bauchspeicheldrüse), Milz, Gehirn, Gonaden (Keimdrüsen) – insbesondere Testes (Hoden), Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und Thrombozyten (Blutplättchen) auf [10] [11] [12]. Den größten Anteil an Selen hat jedoch die Skelettmuskulatur [10] [11] [13]. Dort werden 40-50 % des Selenbestandes des Körpers gespeichert [14].

Die Bioverfügbarkeit von Selen ist von Art (organisch, anorganisch), Menge und Quelle (Lebensmittel, Getränk, Nahrungsergänzungsmittel) und von der Wechselwirkung mit Nahrungsmittelinhaltsstoffen abhängig [15] [16] [17]. Selen aus pflanzlichen Nahrungsmitteln ist besser bioverfügbar (85-100 %) als aus tierischen Lebensmitteln (~ 15 %) [11] [12].

Wirkung von Selen

Das aufgenommene Selen wirkt prinzipiell durch Selenoproteine; dies sind Proteine mit enzymatischer Aktivität. Im menschlichen Körper übernimmt Selen folgende Funktionen [18] [19]:

  • Selenoproteine funktionieren nicht nur als antioxidative Enzyme, z.B. ist das Selenoprotein R sehr wichtig für die Reparatur oxidierter Methioninreste in Proteinen. Das gleiche Protein spielt auch eine wichtige Rolle für die Kontrolle des Zusammenbaus des Strukturproteins Aktin.
  • Selenoprotein T ist wichtig für die Regulierung der Betazellfunktion der Bauchspeicheldrüse und für die Glukosehomöostase. Selenoprotein N ist erforderlich für die Regulierung der intrazellulären
  • Selenoprotein P ist das Transportprotein von Selen in die peripheren Gewebe.
  • Als Antioxidans schützt es zudem die Zellen vor oxidativen Schäden durch freie Radikale und vor Umwelt- und Strahlenbelastungen.
  • Darüber hinaus aktiviert Selen Immunmechanismen und spielt eine wichtige Rolle bei der Entgiftung bzw. Ausleitung von Schwermetallen wie Blei oder Quecksilber.

Selen-reiche Lebensmittel

Als Tierische Quelle eignen sich Fisch und Rindfleisch. Gute pflanzliche Quellen sind Nüsse, Pilze, Reis und Hafer [20].

Selen Gehalt in µg pro 100Gramm Lebensmittel [20]:

Die Kokosnuss als natürliche Selen Quelle

 

Selen Tagesbedarf

Die Tagesbedarfsempfehlungen richten sich nach Alter und Geschlecht, Stillende benötigen meistens eine höhere Menge [21]:

Selen Mangel

Selenabhängige Enzyme werden bei Selenmangel in geringeren Mengen gebildet. Auch kann es im Rahmen genetischer Defekte zu Störungen selenabhängiger Enzyme kommen.

Bei einem Selenmangel kommt es automatisch zu einer Umverteilung der Selenspeicher. Das wenige vorhandene wird nun bevorzugt in jene Gewebe und Organe eingebaut, die der Aufrechterhaltung wichtiger Körperfunktionen dienen. Hierzu zählen in erster Linie die Hypophyse, die Zirbeldrüse, die Schilddrüse, die Nebenschilddrüsen, die Bauchspeicheldrüse und die Nebennieren. Aber auch die Fortpflanzungsorgane sowie das zentrale Nervensystem müssen unbedingt mit Selen versorgt werden, um ordnungsgemäss funktionieren zu können.

Dieser Fakten machen deutlich, welchen Stellenwert das Spurenelement Selen trotz seiner minimal benötigten Mengen auf die Gesunderhaltung des Körpers hat [24].

Wer ist von einem Mangel betroffen?

Selenarme Lebensmittel oder extrem einseitige Ernährung, aber auch Medikamente können für einen Selenmangel ursächlich sein. Gefährdet sind daher nicht nur Personen, die in selenarmen Gegenden leben, sondern auch Veganer und Patienten, die einer künstlichen Ernährung bedürfen [22]. Im Gegensatz zu Veganern gilt die Selenversorgung bei Vegetariern als gesichert und liegt etwa auf dem gleichen Niveau wie bei Personen, die sich mit Mischkost ernähren [23].

Selen Überdosierung

Ohne Risiko für schädliche Nebenwirkungen ist laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für Erwachsene eine Zufuhrmenge von 300 µg Selen pro Tag tolerierbar.

Die meisten Nahrungsergänzungsmittel enthalten maximal 200 µg pro Tag. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass in Europa negative Effekte durch die Einnahme von Präparaten auftreten, wenn sie vorschriftsmäßig eingenommen werden [25].

Sollte es dennoch zu einer Überversorgung kommen, kann es zu neurologischen Störungen, Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Übelkeit und Durchfall kommen. Im späteren Verlauf geht eine Selenose mit Symptomen wie dem Verlust von Haaren, gestörter Nagelbildung und einem charakteristischen knoblauchartigen Geruch der Atemluft einher. Eine akute Selenvergiftung durch Zufuhr von mehreren Gramm Selen kann zu Herzversagen sowie Kammerflimmern und damit zum Tod führen.

Selen für die Augen

Selenergänzung als Therapieversuch bei Sehstörungen

Das Spurenelement Selen hat sich in einer Studie als effektiv bei der Behandlung von milden Verläufen der endokrinen Orbitopathie erwiesen. Von einer endokrinen Orbitopathie, bei der es zu einem Hervortreten der Augen, einer Erweiterung der Lidspalten sowie Sehstörungen kommt, sind etwa 50 Prozent aller Morbus-Basedow-Patienten betroffen. Selen könnte eine Hilfe sein.

In einer Studie mit 159 Patienten mit milder endokriner Orbitopathie verbesserte die Gabe von zweimal täglich 100 µg des Spurenelements über sechs Monate ophthalmologische Befunde und Lebensqualität signifikant. Der Vorteil war auch bei einer Nachuntersuchung sechs Monate später noch vorhanden. Selen wurde von allen Probanden gut vertragen. Laut Studienautor Claudio Marroci spricht daher nichts gegen einen Therapieversuch [26].

Selen Einnahmezeitpunkt

Kann der Selenbedarf nicht über die Nahrung gedeckt werden, sollte gegebenenfalls nach Rücksprache mit dem Arzt Selen zusätzlich eingenommen werden. Die Gehalte in Lebensmitteln reichen meist nicht aus, um einen Selenmangel auszugleichen.

Selenpräparate sollten am besten zu einer Mahlzeit eingenommen werden. Dadurch verbessert sich die Verträglichkeit für den Magen [27].

Wie ist deine Meinung zu Selen?
Bist du gut versorgt, hast du dich mit dem Thema schon beschäftigt? Erzähl uns deine Erfahrung in den Kommentaren! Wenn Du noch mehr über Minerale erfahren möchtest, schau im Mineralstoff 1×1 rein und erhalte alle wichtigen Informationen rund um Mineralien. Viel Spass!


Weiteres wissenswertes und Angebote:

Quellen:

[1] https://www.iupac.org/publications/ci/2011/3305/5_trofast.html

[2] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/inhalt-36-2004/medizin1-36-2004/

[3] Bundesinstitut für Risikobewertung: Domke A, Großklaus R, Niemann B, Przyrembel H, Richter K, Schmidt E, Weißenborn A, Wörner B, Ziegenhagen R (Hrsg.) Verwendung von Mineralstoffen in Lebensmitteln – Toxikologische und ernährungsphysiologische Aspekte, Teil 2, BfR-Hausdruckerei Dahlem, 2004

[4] Elmadfa I, Leitzmann C: Ernährung des Menschen. 4. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2004

[5] Hahn A: Nahrungsergänzungsmittel. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 2001

[6] Biesalski HK, Köhrle J, Schümann K: Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Georg Thieme Verlag; Stuttgart/New York 2002

[7] Biesalski HK, Köhrle J, Schümann K: Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Georg Thieme Verlag; Stuttgart/New York 2002

[8] Bundesinstitut für Risikobewertung: Domke A, Großklaus R, Niemann B, Przyrembel H, Richter K, Schmidt E, Weißenborn A, Wörner B, Ziegenhagen R (Hrsg.) Verwendung von Mineralstoffen in Lebensmitteln – Toxikologische und ernährungsphysiologische Aspekte, Teil 2, BfR-Hausdruckerei Dahlem, 2004

[9] Dietl H, Ohlenschläger G: Handbuch der Orthomolekularen Medizin. Karl F. Haug Verlag, Stuttgart 2003

[10] Biesalski HK, Fürst P, Kasper H et al.: Ernährungsmedizin. Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer. 3. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2004

[11] Elmadfa I, Leitzmann C: Ernährung des Menschen. 4. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2004

[12] Leitzmann C, Müller C, Michel P et al.: Ernährung in Prävention und Therapie. Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG 2005

[13] Niestroj I: Praxis der Orthomolekularen Medizin. Hippokrates Verlag GmbH, Stuttgart 2000

[14] Gaßmann B: Selen. Vorkommen, Ernährungsphysiologie, Biochemie, Empfehlungen für die nutritive Zufuhr, Versorgung und Versorgungszustand in der Bundesrepublik Deutschland. Ernährungs-Umschau; 43: 464-467.1996

[15] Bundesinstitut für Risikobewertung: Domke A, Großklaus R, Niemann B, Przyrembel H, Richter K, Schmidt E, Weißenborn A, Wörner B, Ziegenhagen R (Hrsg.) Verwendung von Mineralstoffen in Lebensmitteln – Toxikologische und ernährungsphysiologische Aspekte, Teil 2, BfR-Hausdruckerei Dahlem, 2004

[16] Navarro-Alarcon M, López-Martínez MC: Essentiality of selenium in the human body: relationship with different diseases. Sci Total Env; April 2000, 249: 347-371 

[17] Niestroj I: Praxis der Orthomolekularen Medizin. Hippokrates Verlag GmbH, Stuttgart 2000

[18] https://www.diagnostisches-centrum.de/fach-infos/1353-zur-biologischen-funktion-von-selen.html

[19] https://www.naturheilzentrum-nuernberg.de/lexikon/s/selen.html

[20] https://infothek-gesundheit.de/selen-selenmangel-tagesbedarf/

[21] https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/selen/

[22] H.-K. Biesalski u. a.: Ernährungsmedizin: Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer. Georg Thieme Verlag, 2004, ISBN 3-13-100293-X, S. 171ff, 207, 330

[23] Heinrich Kasper: Ernährungsmedizin und Diätetik. 11. Auflage. München 2009, ISBN 978-3-437-42012-2.

[24] https://www.zentrum-der-gesundheit.de/selenmangel-ia.html

[25] https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/faqs/selen/

[26] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2011/daz-21-2011/selen-fuer-die-augen

[27] https://www.vitamindoctor.com/naehrstoffe/mineralstoffe/selen/

 

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